Was ist SCHLAU?

SCHLAU ist ein Bildungs- und Antidiskriminierungsprojekt zu geschlechtlichen Identitäten und sexuellen Orientierungen. In Workshops mit Schulklassen, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bieten ehrenamtliche Teams die Möglichkeit, mit jungen lesbischen, schwulen, bi, trans*, inter* und queeren Menschen ins Gespräch zu kommen. Mittels pädagogischer Methoden und evaluierter Konzepte führen wir niedrigschwellig und unaufgeregt in die Themengebiete ein. Wir sprechen dabei über Lebenswirklichkeiten und Biografien, das eigene Coming-Out, Diskriminierungserfahrungen sowie Vorurteile und Rollenbilder.

Der SCHLAU-Workshop

Rahmenbedingungen

Die Dauer unserer Workshops beträgt mindestens 180 Minuten.

Die Workshops werden von mindestens zwei SCHLAU-Teamer*innen geleitet, wobei das Vier-Augen-Prinzip  jederzeit gewährleistet ist.

Lehrkräfte bzw. Leitungen sind während der gesamten Workshopdauer ansprechbar und erreichbar, nehmen an den Workshops jedoch in der Regel nicht teil.

Selbstverständlich achten wir auf eine zielgruppenorientierte und altersangemessene Planung und Durchführung unserer Veranstaltungen.

Ablauf

Die Vorbereitung des Workshops erfolgt in Absprache mit der Lehrkraft bzw. der pädagogischen Leitung. Auf Grundlage dieses Gesprächs erstellen wir ein für Ihre Jugendgruppe oder Klasse angepasstes Workshop-Konzept. Bitte kündigen Sie den SCHLAU-Workshop inhaltlich an, damit alle Bescheid wissen.

Zu Beginn des Workshops stellen wir den groben Ablauf vor, geben kurze Informationen zum Projekt und klären Organisatorisches. Zum Einstieg werden den Teilnehmenden unsere Gesprächsregeln vorgestellt. Die meisten sind aus Schulkontexten bekannt (z.B. “Ausreden lassen”, “Respektvoller Umgang”), andere werden ausführlicher erklärt (z.B. “Freiwilligkeit”, “Kein Outing”). Im Anschluss stellen wir verschiedene Begriffe vor und besprechen diese mit der Gruppe. Zu den Begriffen zählen verschiedene sexuelle Orientierungen (z.B. heterosexuell, bisexuell) und geschlechtliche Identitäten (z.B. trans*, cis, inter*).

Durch einen methodischen Einstieg führen wir in die Themengebiete geschlechtliche Identität, sexuelle Orientierung, Rollenbilder und Diskriminierung ein und bereiten die anschließende Fragerunde grundlegend vor. Im Hauptteil des Workshops bietet die Workshopleitung im biografischen Gespräch Einblicke in Coming-Out, Diskriminierungserfahrungen und die Lebenswirklichkeiten von LSBTIQ*-Personen. Wir bieten den Teilnehmenden ebenso die Möglichkeit, offen oder anonym Fragen zu stellen und eigene Vorbehalte, Vorurteile und Unsicherheiten anzusprechen. Im Mittelpunkt stehen dabei jederzeit die Biografien der SCHLAU-Teamer*innen, die Jugendlichen selbst sollen und müssen nichts aus ihrem Privatleben erzählen.

Die Nachbereitung des Workshops erfolgt durch die Workshopleitung im Anschluss an die Veranstaltung. Teammitglieder geben sich gegenseitig Feedback und besprechen gelungene Momente und Schwierigkeiten, die möglicherweise während des Workshops aufgetreten sind. Die Workshops werden auch in den Teamsitzungen reflektiert. Wünschenswert ist zudem ein Nachgespräch mit der Lehrkraft oder der pädagogischen Fachkraft, um mitzuteilen, welche Themen den Teilnehmenden besonders wichtig waren, wo weitere Anknüpfungspunkte liegen und welche weiteren Bedarfe die Jugendlichen ggf. haben. Zudem geben wir Evaluationsbögen aus, um Feedback von den Teilnehmenden und der Lehrkraft zu erhalten.

Typische Fragen von Teilnehmer*innen

  • Wie hast du gemerkt, dass du so bist, wie du bist?
  • Wie war dein Coming-Out?
  • Wie haben deine Freunde reagiert? Wie die Eltern?
  • Wurdest du schon mal blöd angemacht?
  • Geht ihr händchenhaltend durch die Innenstadt?
  • Wie stehen die Religionen dazu?
  • Wollt ihr mal heiraten und/oder Kinder kriegen?

Diese Fragen werden durch die SCHLAU-Teamer*innen biografisch beantwortet, d.h. sie erzählen über ihre eigenen Erfahrungen als Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans* und inter* Personen. Anhand dieser Erfahrungen zeigen wir auch auf, was strukturelle Diskriminierung ist und wie gesellschaftliche Ausgrenzungsmechanismen funktionieren.

SCHLAUe Methoden

Das in unseren Workshops verwendete Methodenrepertoire basiert auf Theorien der Menschenrechtsbildung, der Antidiskriminierungspädagogik sowie der Pädagogik vielfältiger Lebensweisen.

Unsere Methoden setzen auf:

  • eine offene und dialogische Interaktion zwischen den Teamer*innen und den Teilnehmenden.
  • das Erfahrbarmachen von Diskriminierungsmechanismen, welches eine selbstreflexive Auseinandersetzung ermöglicht.
  • Handlungsorientierung, welche den Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, Geschlechterrollen, Mobbing sowie Diskriminierungen aufzeigt.
  • Erfahrungslernen, welches  den Jugendlichen ermöglicht demokratische und inklusive Handlungskonzepte selbst zu entwickeln und auszuprobieren.

Theoretische Grundlagen

Pädagogik vielfältiger Lebensweisen

Dieser Ansatz wendet sich gegen die weit verbreitete Praxis, Homo- und Bisexualität als von der heterosexuellen Norm abweichende Sexualitätsformen darzustellen. Denn damit wird die starre Struktur von Normalität und Abweichung verfestigt und gefördert. Stattdessen sollten alle Lebensweisen unabhängig von ihrer quantitativen Existenz wertschätzend entfaltet werden können.

SCHLAU-Workshops decken die Ausgrenzung von nicht-heterosexuellen und nicht-cis-geschlechtlichen Lebensweisen auf, thematisieren die dahinterliegenden Diskriminierungsmechanismen und hinterfragen die Dominanz gesellschaftlicher Normen und Normalitäten.

Menschenrechtsbildung

Menschenrechte sind universelle Gleichheitsrechte. Das Gleichheitsprinzip verspricht allen Menschen die Chance, ihren eigenen, individuellen und auch „besonderen“ Lebensentwurf in Freiheit zu finden und zu verwirklichen (vgl. Susanne Baer 2008). Menschenrechte begründen somit den Anspruch auf die freie und gleichberechtigte Selbstbestimmung jedes einzelnen Menschen. Sie zielen auf die Förderung von Einstellungen, Umgangs- und Verhaltensweisen, welche die Rechte anderer respektieren.

Durch das biografische Erzählen nehmen SCHLAU-Workshops Bezug auf die Selbstbestimmung des eigenen Lebensentwurfes. Die Erziehung zu Toleranz und Respekt kann nicht in erster Linie gelehrt werden, sondern wird erst durch die Weitergabe und das Erzählen persönlicher Erfahrungen erfahrbar und lernbar gemacht.

Intersektionalität

Das SCHLAU-Konzept nimmt bewusst eine intersektionale Perspektive ein. Dabei wird auf die Verschränkungen unterschiedlicher Diskriminierungsmerkmale hingewiesen, wie z.B. das Geschlecht, die sexuelle Orientierung oder die ethnische Herkunft. Angehörige nicht privilegierter Gruppen sind nicht nur sozial, ökonomisch, rechtlich oder politisch benachteiligt, sie erleben auch einen „Mangel an Respekt, der darin besteht, nicht wahrgenommen und nicht als vollwertige Menschen angesehen zu werden“ (vgl. Richard Sennett 2000). Diese Perspektive zeigt auf, dass Vielfalt als ein Merkmal aller Menschen zu begreifen ist und alle Menschen auf unterschiedliche Weise von Vorurteilen und Diskriminierung berührt werden: Insofern sind alle Menschen selbst Träger*innen von Vielfalt.

SCHLAU versteht Vielfalt deshalb als einen bereichernden Zustand. Unsere Methoden eröffnen bei unseren Teilnehmenden Perspektiven für die Entwicklung eines Vielfaltsbewusstseins. Durch das biografische Gespräch mit Teamer*innen entsteht eine Begegnungskultur, die nicht durch Abgrenzung und Geschlossenheit, sondern durch gegenseitigen Respekt und Offenheit bestimmt ist.

Unsere Teamer*innen

Die Teamer*innen von SCHLAU Hannover werden persönlich, fachlich und didaktisch geschult und arbeiten nach evaluierten Konzepten und festen Qualitätsstandards. Zudem führen wir bei allen Ehrenamtlichen eine Einsicht und Dokumentation von erweiterten, polizeilichen Führungszeugnissen durch.

Unsere Teamer*innen moderieren, motivieren, intervenieren und organisieren die SCHLAU-Workshops. Sie führen niedrigschwellig und altersgerecht in das Themengebiet sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität mit Hilfe von Begriffsklärungen und ausgewählten Methoden ein. Der Großteil unserer Teamer*innen ist selbst lesbisch, bi, schwul, inter*, trans* oder queer. In autobiografischen Gesprächen geben sie einen Einblick in ihre persönliche Biografie, beantworten Fragen der Teilnehmenden und thematisieren Vorurteile und Rollenbilder.

Aus- und Fortbildung

Das Aufnahmeverfahren neuer Teamer*innen umfasst ein Kennlerngespräch, eine Hospitationsphase vor dem eigenverantwortlichen Einsatz sowie eine Grundqualifizierungsmaßnahme. In der Grundqualifikation werden die Grundlagen und Standards unserer Arbeit vermittelt. Das Seminar wird von erfahrenen Teamer*innen unseres Landesverbands SCHLAU Niedersachsen durchgeführt und basiert auf länderübergreifenden Standards, die für alle SCHLAU-Projekte und -Netzwerke gelten. Zusätzlich gibt es regelmäßig lokale und überregionale Angebote zur Weiterbildung und gemeinsamen Reflektion der Arbeit von SCHLAU. Dabei wird vorhandenes Wissen vertieft und neue Aspekte von Bildungs- und Antidiskriminierungsarbeit werden kennengelernt.

Qualitätsstandards

Im Frühjahr 2012 haben sich die lokalen SCHLAU-Projekte und die Landesnetzwerke zum ersten Mal auf länderübergreifende Qualitätsstandards geeinigt, in denen Ziele, Inhalte und Praxis unserer Arbeit festgehalten wurden. Außerdem regeln die Standards welche Voraussetzungen unsere Teamer*innen mitbringen müssen und wie sie qualifiziert werden.

Im Herbst 2015 wurden diese Standards komplett überarbeitet. Denn einerseits haben sich die Anforderungen von Schulen, Sportvereinen oder Eltern verändert, andererseits hat sich SCHLAU konzeptionell immer stärker als menschenrechtsbasiertes Antidiskriminierungsprojekt verstanden. Diese Entwicklung wirkt methodisch bereits seit vielen Jahren, durch die zunehmende Professionalisierung wurde es jedoch Zeit dies auch in den Standards zum Ausdruck zu bringen.

Wir sind überzeugt, dass Standards ein wichtiges Instrument der Qualitätssicherung sind. Sie schaffen Transparenz nach Außen und geben einen klaren Rahmen vor, in dem unsere Workshops ablaufen. Unsere Standards können Sie hier nachlesen: DOWNLOAD-LINK